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Donnerstag, 16 Februar 2012.

Globalisierung und Individualität

Posted in Gesellschaft & Soziales

Zwei unvereinbare Gegensätze?

Unsere heutige Welt gleicht einem globalen Dorf, in dem jeder Einwohner von anderen abhängt - ob uns das nun bewusst ist oder nicht.

Die Globalisierung betrifft nicht nur die Finanzwelt, sondern fast jeden Lebensbereich: Computer und Fernseher kommen hauptsächlich aus China, Taiwan und Korea. Unsere Autos werden zu einem Großteil in Japan, Europa und den USA erzeugt, während ihre Einzelkomponenten aus einer Vielzahl anderer Länder stammen. Kleidung beziehen wir aus Indien und China und Nahrungsmittel kommen mittlerweile aus der ganzen Welt.

Die Abhängigkeit ist jedoch nur ein Teil des komplexen Bildes. Während wir einerseits zunehmend global werden, verlagern sich unsere Interessen andererseits immer mehr auf uns selbst – oder wie es die Psychologen Jean M. Twenge und Keith Campbell so trefflich ausdrücken „wir wurden zunehmend narzisstisch". In ihrem Buch The Narcissism Epidemic: Living in the Age of Entitlement1 beschreiben sie den unglaublichen Aufstieg des Narzissmus in unserer Kultur und die Probleme, die sich daraus ergeben: „Die USA leiden derzeit an einer Narzissmus-Epidemie... Narzisstische Persönlichkeitsmerkmale nehmen im gleichen Maß zu wie Übergewicht. ... Im Jahr 2006 wiesen 25 Prozent der Collegestudenten der USA in einem Persönlichkeitstest überwiegend narzisstische Züge auf. Die Musikerin Little Jackie fasst das Thema gekonnt in Worte ‚Yes siree, the whole world should revolve around me'" In Websters Dictionary wird Narzissmus als Egoismus definiert und das bedeutet offen gesprochen, dass wir unerträglich selbstsüchtig geworden sind.

Daher besteht auch unser Problem aus zwei Seiten: Einerseits sind wir voneinander abhängig und andererseits wollen wir miteinander eigentlich nichts zu tun haben und setzen unsere Schwerpunkte mehr und mehr auf Individualität. Wir versuchen, zwei Lebensstile zu verbinden, die sich nicht verbinden lassen.

In diesem Dilemma wurzelt auch unsere Krise. Unsere Abhängigkeit zwingt uns zur Kooperation, doch unsere Selbstbezogenheit bringt uns höchstens dazu, ausbeuterische Beziehungen zu anderen zu pflegen. Die Systeme der Zusammenarbeit zerfallen zusehends, was leicht an den protektionistischen Tendenzen in nahezu allen Ländern zu erkennen ist.

Der deutsche Philosoph und Mathematiker W.G. Leibnitz schrieb in seinen Philosophischen Schriften: "Die Wirklichkeit kann ausschließlich in einer einzigen Quelle gefunden werden, aufgrund der gegenseitigen Abhängigkeit aller Dinge zu einander."2

Wir sollten uns daher mit der Ursache dieser Abhängigkeit auseinandersetzen und unsere Ich-Liebe erforschen. Wir müssten einen Weg finden, wie wir diese scheinbar entgegengesetzten Dinge vereinen und zu unserem Vorteil nützen können.

Die Menschheit bildet ein System. Sie gleicht einem Körper, dessen Organe und Zellen kooperieren müssen, um ihn am Leben zu erhalten. Unsere Aufgabe – oder auch der Sinn des Lebens – liegt darin, den Körper „Menschheit" gesund/glücklich werden zu lassen und Möglichkeiten zu finden, diesem Ziel näher zukommen.


1Jean M. Twenge and W. Keith Campbell, The Narcissism Epidemic, 1

2Gottfried Wilhelm Leibniz, Leibniz: Philosophical Writings (UK: Dent, Rowman and Littlefield, 1991), 37

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